Foto: UNESCO-Zentrale in Paris

 

Im Mai haben wir die Berliner Parteien im Vorfeld der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September 2016 gefragt: »Werden sie sich in der kommenden Wahlperiode dafür einsetzen, dass die East Side Gallery der Kultusministerkonferenz im Rahmen des bevorstehenden UNESCO-Tentativverfahrens als eine der beiden potentiellen Welterbestätten Berlins gemeldet wird?«

Nur die Piraten halten die East Side Gallery für ein »herausragendes Stück kulturellen Erbes Berlins, das UNESCO-Weltkulturerbestätte werden sollte« .

Erschreckend ist hingegen die Antwort der Berliner SPD, die den SPD-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vorschiebt: Dieser hält »eine Einstufung der East Side Gallery als Weltkulturerbe der UNESCO für grotesk«, da die Mauer ein Symbol des mörderischen Grenzregimes der DDR und der traumatischen Trennung vieler Menschen über Jahrzehnte sei und bleibe. Obwohl der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die East Side Gallery bereits im Jahr 2013 zur Chefsache erklärt hatte, gibt die SPD weiter vor, es gebe gebe keine abgestimmte Positon der Landes-SPD. Das Thema sei auch nicht Bestandteil des SPD-Regierungsprogramms. Die SPD sei jedoch der Ansicht, dass die East-Side-Gallery in der bestehenden Form Denkmalcharakter habe, als solches erhalten und deshalb der Stiftung Berliner Mauer übertragen werden solle.

Ähnlich argumentieren die Berliner Linke, die Berliner Grünen sowie die Berliner FDP: Die Linke billigt der East Side Gallery zumindest zu, als Symbol für die Überwindung der Mauer in die Geschichte eingegangen zu sein. Sie müsse als geschütztes Denkmal jedoch nicht zum UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen werden. Hingegen sehen die Berliner Grünen die East Side Gallery derzeit nicht als Bestandteil einer positiven Erinnerungskultur, sondern im Zusammenhang einer gesamtdeutschen Mauererinnerungskultur, um die Spuren der deutschen Teilung wie der friedlichen Revolution im Berliner Stadtbild sichbar zu machen. Eine positive Ausnahme bildet jedoch Hans-Christian Ströbele (MdB, Grüne), der sich aktiv für ein UNESCO-Weltkulturerbe einsetzt. Die  FDP  Berlin sieht die  East  Side  Gallery  als „künstlerisch   transformiertes   Mauerdenkmal“   und als   Teil   des   Berliner   Gesamtkonzepts  zur Erinnerung  an  die  Mauer  und  zum  Gedenken  an  deren  Opfer, also nicht als einen Ort „positiver Erinnerungskultur“ die Friedlichen Revolution von 1989, sondern als einen Ort des Schreckens und Gedenkenken der Opfer des DDR-Regiemes.

Die Berliner CDU hat entgegen ihrer Zusage unseren Wahlprüfstein leider nicht beantwortet.

Damit verneinen die etabliereten Parteien beinahe übereinstimmend das UNESCO-Weltkulturerpotential der East Side Gallery, obwohl Prof. Dr. Leo Schmidt, Denkmalschützer und Gutachter für den Internationalen Council on Monuments and Sites (ICOMOS) sowie Inhaber des Lehrstuhls für Denkmalpflege an der BTU Cottbus-Senftenberg, am 2.4.2013 in einem Interviev der Berliner Zeitung erklärte, dass die East Side Gallery als politisches Denkmal sehr gute Chancen habe, UNESCO-Weltkulturerbe zu werden.

Wie viele Berlinerinnen und Berliner verstehen auch wir die ablehnende Haltung der etablierten Parteien gegenüber der East Side Gallery nicht. Wir sehen in der »East Side Gallery« gerade kein Mahnmal für das menschenverachtende Grenzregime der DDR. 1990 haben über 100 internationale Künstlerinnen und Künstler die Hoffnungen und Träume aber auch die Ängste der Menschen eingefangen, kurz nachdem die Bürgerinnen und Bürger der DDR das sie unterdrückende Regime friedlich in die Knie gezwungen hatten, der Kalte Krieg über Nacht Geschichte geworden war und die Welt plötzlich vor ihrem größten Aufbruch ins Ungewisse, vor einem Neubeginn, stand. Die »East Side Gallery« wurde so weltweit für viele Menschen zu einem Symbol für Frieden sowie selbst erstrittene Freiheit und Demokratie. Hiervon zeugen nicht zuletzt über 5 Millionen Besucherinnen und Besucher jährlich.

Wie sie als lebendiges Denkmal ausgestaltet werden kann, möchten wir diskutieren, damit das Denkmal wie die Friedliche Revolution von 1989 als Denkmal für Frieden, Freiheit und Demokratie »von unten« wachsen kann. Erste Gedanken haben wir in dem »Denkanstoß für das Konzept eines lebendigen Denkmals an die — Freude East Side Gallery« zusammengetragen.

 

 

Antworten der Berliner Parteien als Download (PDF):

 

 

Foto: UNESCO Headquarters, Paris
(Quelle:© UNESCO, Fotograf: Michel Ravassard)